Warum deine Intention wichtiger sein kann als dein Ziel

Warum deine Intention wichtiger sein kann als dein Ziel

Im Video erfährst du, wie eine klare Intention im Sport dir hilft, dich in weniger als einer Minute auf Training, Wettkampf oder andere Leistungssituationen auszurichten.

Ein klares Ziel ist wichtig. Es gibt dir Orientierung und hilft dir zu überprüfen, ob du noch auf Kurs bist. Doch unter Druck entscheidet nicht nur, was du erreichen möchtest. Ebenso wichtig ist, wie du auf dem Weg dorthin auftreten und handeln willst.

Genau dabei hilft dir eine bewusst gewählte Intention.

Ziel und Intention im Sport: der entscheidende Unterschied

Ein Ziel beschreibt das gewünschte Ergebnis. Eine Intention legt fest, mit welcher Qualität du handeln möchtest.

Dein Ziel im Training kann beispielsweise eine bestimmte Leistung sein. Deine Intention könnte lauten, ruhig und präzise zu arbeiten.

Vor einem wichtigen Gespräch willst du vielleicht ein gutes Ergebnis erreichen. Deine Intention kann sein, klar aufzutreten und aufmerksam zuzuhören.

Die Intention ist damit eine Art mentaler Kompass. Sie garantiert kein bestimmtes Ergebnis, gibt deinem Handeln aber eine klare Richtung. Ergänzend zeigen die Grundsätze für wirksame Zielsetzung im Sport der Association for Applied Sport Psychology, warum konkrete Prozessziele und beobachtbares Verhalten besonders hilfreich sind.

Raus aus dem Reaktionsmodus

Fehler, Erschöpfung, Erwartungen oder Ergebnisdruck können deine Aufmerksamkeit schnell übernehmen. Statt bewusst zu handeln, reagierst du nur noch auf das, was gerade passiert. Gerade in solchen Momenten wird mentale Selbstführung unter Druck entscheidend.

Eine bewusst gewählte Intention im Sport schafft einen inneren Referenzpunkt. Du kannst dich während der Situation fragen:

Bin ich noch in meiner gewählten Ausrichtung – oder reagiere ich gerade nur?

Es geht nicht darum, deine Intention jederzeit perfekt umzusetzen. Entscheidend ist, Abweichungen wahrzunehmen und dich neu auszurichten.

Die Methode aus dem Video

Für deine mentale Ausrichtung brauchst du nur drei Dinge:

  1. Ein Wort: Welche Qualität benötigst du – beispielsweise ruhig, mutig, präsent, geduldig, präzise oder entschlossen?
  2. Ein konkretes Verhalten: Woran wird deine Intention erkennbar? „Ruhig“ könnte bedeuten, nach einem Fehler bewusst auszuatmen. „Präsent“ kann heißen, vollständig zuzuhören, bevor du antwortest.
  3. Einen Check-in: Wann erinnerst du dich an deine Intention? Zum Beispiel vor dem nächsten Versuch, nach einem Fehler, in der Trinkpause oder beim Betreten eines Besprechungsraums.

Probiere es selbst aus

Denke an eine konkrete Situation, die heute oder morgen vor dir liegt. Vervollständige anschließend diese beiden Sätze:

In dieser Situation will ich __________ auftreten.

Das zeigt sich konkret dadurch, dass ich __________.

Eine Intention kontrolliert nicht, was passiert. Aber sie hilft dir, bewusster zu entscheiden, wie du mit dem umgehst, was passiert.

Mit welcher Intention gehst du in deine nächste Leistungssituation?

Wenn das gleiche Problem immer wiederkommt

Wenn das gleiche Problem immer wiederkommt

Warum wiederkehrende Herausforderungen oft mehr mit unseren eigenen Reaktionsmustern zu tun haben, als wir denken.

Es gibt Situationen, die scheinen uns zu verfolgen.

Ein schwieriger Mensch verschwindet aus unserem Umfeld – und kurze Zeit später begegnen wir jemandem, der ganz ähnliche Reaktionen in uns auslöst.

Wir wechseln die Mannschaft, den Trainer, das Projekt oder vielleicht sogar den Arbeitgeber. Doch irgendwann ist dieses vertraute Gefühl wieder da:

„Nicht schon wieder.“

Natürlich gibt es Situationen, aus denen wir uns lösen sollten. Nicht jedes Problem ist eine Lektion, die wir einfach nur geduldiger ertragen müssen. Manchmal ist eine klare Grenze, eine Veränderung oder ein konsequenter Schritt genau die richtige Entscheidung.

Doch es gibt auch die andere Seite.

Manche Herausforderungen kehren nicht deshalb zurück, weil die Welt gegen uns arbeitet. Sondern weil wir selbst in ähnlichen Situationen immer wieder mit demselben inneren Muster reagieren.

Und genau dort beginnen Mentaltraining und mentale Stärke: bei der eigenen Reaktion.

Das Problem ist nicht immer nur die Situation

Stell dir einen Sportler vor, der in wichtigen Wettkämpfen regelmäßig seine Leistung nicht abrufen kann.

Im Training funktioniert alles.

Die Technik stimmt. Die Vorbereitung stimmt. Die körperliche Leistungsfähigkeit ist vorhanden.

Doch sobald es wirklich zählt, verändert sich etwas.

  • Er wird hektischer.
  • Er beginnt mehr nachzudenken.
  • Er will Fehler unbedingt vermeiden.
  • Er verliert den Zugang zu dem, was im Training selbstverständlich funktioniert.

Nach einem schwachen Wettkampf liegt die Erklärung schnell auf der Hand:

  • Der Gegner war unangenehm.
  • Die Bedingungen waren schlecht.
  • Die Vorbereitung war nicht optimal.
  • Der Druck war diesmal besonders hoch.

All das kann stimmen.

Aber wenn sich ein ähnliches Muster immer wieder zeigt, lohnt sich eine andere Frage:

Was passiert eigentlich in mir, wenn diese Situation entsteht?

Das ist eine wesentlich anspruchsvollere Frage als: „Wie bekomme ich dieses Problem weg?“

Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um äußere Umstände.

Es geht um uns selbst.

Wiederkehrende Situationen zeigen oft wiederkehrende Reaktionen

Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens bestimmte mentale Reaktionsmuster.

Unter Druck wollen wir vielleicht besonders viel kontrollieren.

Bei Kritik gehen wir sofort in Verteidigung.

Wenn etwas nicht funktioniert, werden wir ungeduldig.

Bei Unsicherheit beginnen wir zu zweifeln.

Wenn jemand uns provoziert, reagieren wir impulsiv.

Diese Reaktionen sind nicht automatisch falsch. Problematisch werden sie dann, wenn sie uns immer wieder in dieselbe Sackgasse führen. Solche wiederkehrenden Reaktionen hängen häufig mit mentalen Programmen zusammen, die sich über längere Zeit entwickelt haben. Wie solche Muster entstehen und wie wir bewusster mit ihnen umgehen können, habe ich auch im Beitrag „Du kannst dir aussuchen, was du denkst?“ beschrieben.

Ein Tennisspieler kann nach einem vermeidbaren Fehler jedes Mal innerlich mit sich kämpfen.

Eine Führungskraft kann auf Widerstand im Team immer wieder mit noch mehr Druck reagieren.

Ein Unternehmer kann in schwierigen Phasen versuchen, jedes Detail selbst zu kontrollieren.

Ein ambitionierter Sportler kann nach Rückschlägen sein Training ständig verändern, statt herauszufinden, welches mentale Muster sich in entscheidenden Momenten wiederholt.

Von außen sehen die Situationen unterschiedlich aus.

Innerlich läuft möglicherweise immer dasselbe Programm.

Mentale Stärke beginnt mit Beobachtung

Ein zentraler Bestandteil von Mentaltraining ist deshalb nicht nur positives Denken, Motivation oder Selbstvertrauen.

Es ist die Fähigkeit, sich selbst unter Druck beobachten zu können.

Auch in der Sport- und Performance-Psychologie spielt diese Selbstwahrnehmung eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, eigene mentale Muster zu erkennen und die Leistungsfähigkeit gezielt weiterzuentwickeln.

[Hier der link zum American Psychological Association (APA) Artikel:
https://www.apa.org/education-career/guide/subfields/performance]

Nicht erst Stunden später.

Sondern zunehmend auch in dem Moment, in dem das Muster entsteht.

Was denke ich gerade?

Was löst diese Situation in mir aus?

Was versuche ich unbedingt zu verhindern?

Welche Emotion übernimmt gerade die Führung?

Und vor allem:

Wie reagiere ich normalerweise – und hilft mir diese Reaktion wirklich?

Allein diese Beobachtung kann einen entscheidenden Unterschied machen.

Denn zwischen einem Reiz und unserer Reaktion entsteht dadurch etwas, das im Leistungsumfeld enorm wertvoll ist:

Handlungsspielraum.

Die entscheidende Frage lautet nicht immer: Wie komme ich hier raus?

Wenn etwas unangenehm wird, wollen wir verständlicherweise eine Lösung.

Wie bekomme ich den Konflikt weg?

Wie verhindere ich diese Nervosität?

Wie kann ich dafür sorgen, dass der Trainer mich anders behandelt?

Wie bringe ich meinen Kollegen dazu, sich zu verändern?

Wie werde ich diesen Druck los?

Doch manche Situationen verändern sich erst dann wirklich, wenn wir eine andere Frage stellen:

Was kann ich hier lernen oder entwickeln?

Vielleicht mehr Geduld.

Vielleicht die Fähigkeit, Grenzen klarer zu kommunizieren.

Vielleicht mehr Toleranz gegenüber Dingen, die wir nicht kontrollieren können.

Vielleicht die Fähigkeit, nach einem Fehler schneller wieder in den nächsten Moment zurückzukehren.

Vielleicht den Mut, eine unangenehme Situation anzusprechen.

Oder vielleicht auch die Klarheit zu erkennen, dass eine Situation tatsächlich nicht mehr akzeptabel ist.

Der entscheidende Unterschied:

Wir verlassen die reine Opferperspektive und richten unsere Aufmerksamkeit wieder auf den Bereich, den wir beeinflussen können.

Uns selbst.

Verantwortung übernehmen heißt nicht, sich für alles verantwortlich zu machen

Hier ist eine wichtige Unterscheidung.

Selbstverantwortung bedeutet nicht:

„Wenn ich ein Problem habe, liegt es immer an mir.“

Das wäre genauso ungesund wie die Haltung, dass immer nur die anderen schuld sind.

Menschen können unfair sein.

Teams können dysfunktional sein.

Trainer können schlechte Entscheidungen treffen.

Arbeitsbedingungen können problematisch sein.

Und manchmal ist Weggehen die richtige Form von Selbstführung.

Die relevante Frage ist deshalb nicht:

„Bin ich schuld?“

Sondern:

„Welchen Anteil an meiner Reaktion kann ich beeinflussen?“

Diese Frage gibt uns Handlungsmöglichkeiten, ohne die Realität schönzureden.

Genau darin liegt ein wichtiges Prinzip mentaler Selbstführung: Wir haben nicht immer Kontrolle über die Situation, wohl aber darüber, wie wir ihr begegnen. Mehr dazu findest du auch in meinem Beitrag „Paradox: Volle Kontrolle – wenn du sie nicht hast?!“

Eine einfache Mentaltraining-Übung für wiederkehrende Situationen

Wenn dir ein Problem bekannt vorkommt, nimm dir nach der Situation drei Minuten Zeit.

Gehe gedanklich durch diese vier Fragen:

1. Was ist konkret passiert?

Beschreibe nur die Situation – möglichst ohne Bewertung.

Nicht: „Mein Trainer hat mich wieder unfair behandelt.“

Sondern beispielsweise: „Nach meinem Fehler hat mein Trainer meine Entscheidung vor dem Team kritisiert.“

2. Was ist in mir passiert?

Welche Gedanken, Emotionen und körperlichen Reaktionen waren da?

  • Ärger?
  • Unsicherheit?
  • Druck?
  • Rechtfertigung?
  • Rückzug?

3. Wie habe ich darauf reagiert?

Was hast du tatsächlich getan?

  • Wurdest du aggressiver?
  • Still?
  • Hektisch?
  • Defensiv?
  • Unkonzentriert?

4. Welche Reaktion würde mir beim nächsten Mal mehr helfen?

Hier geht es nicht um die perfekte Reaktion.

Nur um eine bessere.

Vielleicht einmal bewusst ausatmen, bevor du antwortest.

Vielleicht nach einem Fehler sofort den Blick wieder nach vorne richten.

Vielleicht eine Rückfrage stellen, statt dich direkt zu verteidigen.

Vielleicht ein Gespräch später in Ruhe führen.

Mentaltraining bedeutet an dieser Stelle nicht, eine schwierige Situation verschwinden zu lassen.

Es bedeutet, sich darauf vorzubereiten, ihr beim nächsten Mal anders zu begegnen.

Veränderung beginnt oft innen – wird aber außen sichtbar

Wenn wir unsere Reaktion verändern, verändert sich häufig auch die Dynamik einer Situation.

Nicht immer.

Aber erstaunlich oft.

Wer Kritik nicht mehr sofort als Angriff interpretiert, führt andere Gespräche.

Wer nach Fehlern schneller loslassen kann, spielt den nächsten Punkt anders.

Wer unter Druck nicht mehr versucht, alles zu kontrollieren, trifft häufig klarere Entscheidungen.

Wer Grenzen ruhiger und konsequenter kommuniziert, verändert Beziehungen.

Die äußere Situation muss sich dafür nicht zuerst verändern.

Manchmal verändert sich zuerst der Mensch, der ihr begegnet.

Und genau das ist eine der kraftvollsten Formen mentaler Stärke.

Nicht jede Herausforderung lässt sich kontrollieren.

Aber wir können lernen, bewusster zu entscheiden, wer wir in dieser Herausforderung sein wollen.

Wenn dir also das nächste Mal ein Problem unangenehm bekannt vorkommt, lohnt sich vielleicht eine Frage mehr als alle anderen:

Was müsste sich in meiner Reaktion verändern, damit diese Situation nicht wieder dieselbe Macht über mich hat?

Quelle Beitragsbild / Visual: Athletes Mind Tuning · KI-unterstützt erstellt mit OpenAI

Der Kampf, den niemand sieht: Mentale Stärke unter Druck

Der Kampf, den niemand sieht: Mentale Stärke unter Druck

Wenn wir über Leistung sprechen, schauen wir meistens nach außen.

Auf den Gegner.
Auf das Ergebnis.
Auf die Konkurrenz.
Auf den Druck.
Auf die Erwartungen anderer.
Oder auf die Bedingungen, die gerade nicht so sind, wie wir sie gerne hätten.

Doch einer der entscheidendsten Wettkämpfe findet dort statt, wo ihn niemand sieht:

in uns selbst.

Vielleicht kennst du solche Situationen:

Du hast dich gut vorbereitet – und kurz vor dem Start kommen plötzlich Zweifel.

Ein Fehler passiert – und im Kopf beginnt sofort die Diskussion darüber.

Jemand provoziert dich – und du merkst, wie Ärger deine Aufmerksamkeit übernimmt.

Der Druck steigt – und aus einem klaren Gedanken werden plötzlich zehn.

Angst.
Ärger.
Selbstzweifel.
Negative Gedanken.

Oder diese eine Geschichte, die wir uns immer wieder erzählen:

„Heute läuft es einfach nicht.“
„Unter Druck kann ich das nicht.“
„Wenn ich jetzt einen Fehler mache, ist alles vorbei.“

Das Entscheidende dabei ist:

Diese Gedanken und Emotionen sind nicht einfach nur Begleiterscheinungen einer schwierigen Situation. Sie beeinflussen direkt, wie wir handeln und performen.

Sie verändern unseren Fokus.
Unsere Körpersprache.
Unsere Entscheidungen.
Unsere Energie.
Und letztlich unsere Leistung.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus meiner eigenen Erfahrung und aus vielen Jahren Mentaltraining ist deshalb:

Je besser du lernst, den inneren Wettkampf zu führen, desto weniger Macht haben die äußeren Umstände über dich.

Das bedeutet nicht, Emotionen zu verdrängen oder sich einzureden, dass alles positiv sei.

Mentale Stärke bedeutet etwas anderes:

Du bemerkst, was gerade in dir passiert – ohne automatisch davon gesteuert zu werden.

Zwischen Reiz und Reaktion entsteht ein kleiner Raum.

Und genau dort beginnt mentale Selbstführung.

Eine kleine Übung für deine nächste Drucksituation

Wenn du merkst, dass Ärger, Nervosität oder Zweifel übernehmen, stelle dir drei Fragen:

1. Was passiert gerade in mir?
Benennen, ohne zu bewerten.

2. Was davon kann ich im Moment tatsächlich beeinflussen?
Nicht den Gegner. Nicht das Ergebnis. Nicht die Vergangenheit.

Aber vielleicht deine Atmung, deinen Fokus, deine Körpersprache oder deine nächste Handlung.

3. Was ist jetzt der nächste sinnvolle Schritt?

Nicht: Wie gewinne ich das ganze Match?

Sondern:

Was brauche ich genau jetzt?

Einen Atemzug.
Den nächsten Ball.
Die nächste Bewegung.
Die nächste Entscheidung.

Das klingt einfach.

Unter Druck ist es alles andere als selbstverständlich.

Und genau deshalb kann man es trainieren.

Du kannst nicht immer kontrollieren, was außerhalb von dir passiert.
Aber du kannst trainieren, wie du darauf reagierst.

Genau um dieses Prinzip geht es auch in meinem Beitrag „Paradox: Volle Kontrolle – wenn du sie nicht hast?!“.

Und je besser du darin wirst, desto weniger entscheidet die Situation über deine Leistung.

Win inside. Perform outside.

P.S.: Denk einmal an eine Situation in den letzten Tagen, in der du unter Druck nicht so reagiert hast, wie du es eigentlich wolltest. Was war damals dein äußerer Gegner – und was war dein innerer?

Quelle Beitragsbild / Visual: Athletes Mind Tuning · KI-unterstützt erstellt mit OpenAI

Bist du noch auf Kurs?

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Wann hast du dich das letzte Mal gefragt, ob du noch auf Kurs bist – deine wesentlichen Ziele im Sport, im Business oder im Leben überhaupt zu erreichen? Entscheidend ist nicht so sehr, wie weit du schon gekommen bist, sondern wie gut du dich in die richtige Richtung bewegst. In dieser Zwei-Minuten Mentoring Session gebe ich dir eine Anregung und einfache Tipps zum Kurs-Check.

Du kannst dir aussuchen was du denkst, oder? (2/2)

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Lenke deine Gedanken und du kontrollierst das Steuer in deinem Leben!

Aus meinem Buch – WIN – With Intention Now: Kapitel 1.1

Recap Teil 1: In Teil eins ging es darum, dass unserer Gedanken maßgeblich die Qualität unseres Lebens bestimmen – und entscheidend sind für persönlichen und sportlichen Erfolg.

Der Fokus lag darauf, dass wir die Fähigkeit haben, bewusst zu entscheiden, worauf wir unseren Geist ausrichten. Oft werden wir jedoch von unbewussten Denkmustern und mentalen Programmen gesteuert, die uns einschränken können. Wenn wir lernen, unsere Gedanken gezielt zu lenken, eröffnen sich Möglichkeiten, mehr Kontrolle über unser Leben zu gewinnen und nachhaltige positive Veränderungen zu bewirken.

In Teil 2 von gebe ich dir mehr Einblicke in mentale Programme und wie sie entstehen. Vor allem aber verrate ich dir eine sehr wirkungsvolle Methode, wie du negative Gedanken sofort stoppen kannst. Noch wichtiger, ich gebe dir ein einfaches Werkzeug, mit dem du negative Gedanken fern hältst und ein positives Gedankenfeld erzeugst.

Starten wir mit dem wichtigsten zuerst: Wie kannst du negative Gedanken stoppen?

Völlig egal ob es sich um ein neues Jahr, neue Saison, eine neue Wettkampfwoche oder einen neuen Tag handelt. Eines steht fest, negative Gedanken limitieren uns bei dem was wir erreichen können oder führen sogar zum Misserfolg. Die spannende Frage lautet, was machst du im Wettkampf, im Training oder sonst im Leben wenn negative Gedanken aufkommen?

Mit der folgenden so einfachen wie praktischen Methode kannst du lernen, negative Gedanken in den Griff zu bekommen:

Wenn du dich bei einem negativen Gedanken ertappst oder etwas Negatives geäußert hast, dann sage dir im Geist:

„Stopp, so möchte ich nicht denken. Negative Gedanken haben keinen Platz in meinem Geist.“1

Ersetze dann den negativen Gedanken im Geist durch eine positive Botschaft an dich selbst. Zum Beispiel:

„Ich bin gut vorbereitet, und ich vertraue auf meine Kraft und Ausdauer, für ein bestmögliches Finish noch einmal zulegen zu können.“

Oder du orientierst dich an Mike Pigg2. Er galt einst als siegreichster Triathlet der Geschichte.

„Ich hielt mich nie mit negativen Gedanken auf. Ich dachte nicht über all die Dinge nach, die schiefgehen könnten. Wenn etwas schiefginge, würde ich das schon hinkriegen. Ich konzentriere mich immer auf das Positive und auf nichts anderes.“

Außerdem erläutere ich die Methode in diesem Video: Lerne in drei Minuten wie du negative Gedanken stoppen kannst …

Vielleicht noch wichtiger als der Gedankenstopp, denn dieses einfache Werkzeug aus dem Atma Kriya Yoga hilft dir, negative Gedanken fern zu halten und ein positives Gedankenfeld zu erzeugen: Japa

Der Begriff Japa kommt aus dem Sanskrit (जप, sprich: dschappa) und bedeutet soviel wie „flüsternd“, „raunend“ oder „murmelnd“. Japa ist die Wiederholung eines Mantras beziehungsweise des Namens Gottes. Mantra bedeutet „Schutz des Verstandes“ und auch „Herzensgebet“. Warum ist das wichtig?

Bhagavad Gita, Kapitel 6, Vers 6:
„Der Verstand ist ein Freund desjenigen, der ihn beherrscht. Aber für jemanden, dessen Geist unkontrolliert ist, wird er zum schlimmsten aller Feinde.“

Viele Sportler kennen das: Wir sind viel empfänglicher für negative Informationen als für positive. Der Worst Case ist uns deshalb auch oft näher als der Best Case.

Das Wiederholen göttlicher Namen oder Mantren schützt dich vor dem Ausbreiten von Negativität in deinem Kopf – denn dein Geist ist ja schon mit mit dem Japa beschäftigt. Stattdessen macht macht Japa deinen Geist klar und hilft dir, dich an deine ewige Beziehung zu Gott zu erinnern.

Ein Mantra, dass ich dir für dein Japa empfehlen kann, lautet: oṁ namo nārāyaṇāya

Oṁ namo nārāyaṇāya kann man auf verschiedene Weisen übersetzen. Hier sind zwei Varianten:

„Ich respektiere den einen, der in allen Dingen ist und alle Dinge in sich trägt.“

„Ich ehre den Herrn, in dem alle Dinge weilen und der in allen Dingen weilt“

Wie man es ausspricht, kannst dir am besten auf einer youtube Aufnahmen von meinem Satguru und Kriya Yoga Meister Paramahamsa Vishwananda anhören. Link: https://www.youtube.com/watch?v=vsn2P1o7qAo

Sportler, die Japa Kriya regelmäßig praktizieren, können nicht nur ihre mentale und physische Leistungsfähigkeit steigern, sondern auch eine tiefere Gelassenheit und Freude an ihrem Training und Wettkampf erleben.

Mentale Programme: Weil es hilfreich ist zu begreifen, wie diese Programme entstehen, schauen wir uns das jetzt genauer an. Mentale Programme können auf vielfältige Weise entstehen oder auch gezielt programmiert werden. Der weitaus größte Teil der Programme wird unbewusst erlernt, und zwar vor allem im Zeitraum vor der Geburt bis zum Alter von ca. sechs Jahren. Im Folgenden gehe ich beispielhaft auf einige Quellen für die Entstehung neuronaler Programme ein.

Mentale Programme können auf vielfältige Weise entstehen oder auch gezielt programmiert werden. Der weitaus größte Teil der Programme wird unbewusst erlernt, und zwar vor allem im Zeitraum vor der Geburt bis zum Alter von ca. sechs Jahren. Im Folgenden gehe ich beispielhaft auf einige Quellen für die Entstehung neuronaler Programme ein.

Eltern

Kinder sind das Abbild ihrer Eltern oder das genaue Gegenteil – zumindest im übertragenen Sinne. Nicht nur Gene werden durch klassische Vererbung weitergegeben, sondern auch mentale Programme oder Muster, Einstellungen, Emotionen und Erfahrungen der Eltern werden auf die Kinder übertragen.

[Exkurs: An dieser Stelle möchte ich auf etwas Wichtiges hinweisen: Der Mensch im Allgemeinen und der Sportler im Besonderen ist immer das Produkt der Wechselwirkung zwischen Genetik und Umwelt (in der Literatur oft auch als „nature versus nurture“ bezeichnet). Salopp ausgedrückt heißt das, ein Teil ist angeboren und ein Teil (nach meiner Erfahrung eher der größere) hängt davon ab, wie, wie oft und in welchem Umfeld ein Sportler trainiert und lebt.

Aber was ist eigentlich Talent oder Begabung? Im Duden heißt es dazu: „Begabung, die jemanden zu ungewöhnlichen bzw. überdurchschnittlichen Leistungen auf einem bestimmten, besonders auf künstlerischem Gebiet befähigt“.3

Talent ist nicht zu beobachten oder zu messen. Prof. Markus Hengstschläger sagt in seinem Buch „Die Durchschnittsfalle“ dazu: „Was Sie hören (Anm. z. B. bei einem Musiker) oder sehen (Anm. z. B. bei einem Fußballer) ist aber nicht notwendigerweise das Talent im Sinne der Leistungsvoraussetzungen, sondern ist das Produkt, der erzielte Erfolg, ist vielleicht die Umsetzung bestimmter Leistungsvoraussetzungen. Diese Leistungsvoraussetzungen müssen durch harte Arbeit entdeckt und in eine besondere Leistung (= Erfolg) umgesetzt werden.“]

Zurück zu den mentalen Programmen, Mustern, Einstellungen, Emotionen und Erfahrungen, die von den Eltern auf ihre Kinder übertragen werden. Das ist ein weitgehend unbewusster Lernprozess für beide Seiten und er beginnt bereits im Mutterleib.

Im Falle der Reinschneider aus dem obigen Abschnitt werden im deutschen Kulturraum zwei Programme mit Bedienungsanleitung an die Kinder weitergegeben, das Programm „Ärger“ und das Programm „Auge um Auge“. Meist wissen jedoch weder Eltern noch Kinder von der Existenz dieser Programme. Der Lernprozess findet statt, indem das Kind das Geschehen auf dem Rücksitz wahrnimmt. Es spürt die Emotion des Vaters oder der Mutter am Steuer in der Reinschneidersituation. Es beobachtet die Reaktion mit allen Sinnen. Durch Wiederholung wird über die Zeit ein komplettes Muster erlernt: Wenn du einem Reinschneider begegnest, musst du dich ärgern. Anschließend musst du ihm demonstrieren, dass er einen Fehler gemacht hat und ihm zeigen, wie sich das anfühlt. Dazu wird das Fehlverhalten ihm gegenüber in gleicher oder abgewandelter Form angewendet.4

Beim Worst-Case-Szenario-Programm könnte es einem kleinen Schuljungen folgendermaßen ergangen sein. An einem schönen Samstagnachmittag ist er mit seiner Mutter in der Stadt beim Einkaufen. Sie ist ziemlich gestresst, weil sie während der Woche Überstunden machen musste und noch viele Besorgungen erledigen muss, bevor die Schwiegermutter zu Besuch kommt (okay, das ist ein Klischee – und dient nur der Veranschaulichung).

Weil es mitten im Hochsommer ist, quengelt der Junge schon seit geraumer Zeit, endlich ein Eis zu bekommen. Nach einer Weile fühlt sich die Mutter genötigt, ihrem Sohn nachzugeben. Der kleine Junge freut sich riesig, als er das Eis bekommt. Die Mutter ist nun allerdings noch genervter, weil es eine lange Schlange gibt und der Junge nach dem Kauf mit dem Eis in der Hand noch langsamer geht.

Also zieht oder besser gesagt zerrt sie ihn an der Hand, um schneller voranzukommen. In diesem Moment stolpert der Junge, und das Eis fällt auf den Boden. Die Mutter schreit den Jungen an: „Kannst du nicht mal aufpassen? Das kann doch nicht so schwer sein!“ Der Junge fängt an zu heulen und unterbewusst speichert er ab: „Ich kann nichts richtig.“ Und: „Hoffentlich passiert mir so etwas nicht noch einmal.“

Am nächsten Montag schreibt er eine Klassenarbeit und denkt an den Vorfall vom Wochenende. Er wird nervös und hat ein Blackout während der Arbeit. Als er die Fünf nach Hause bringt, bekommt er zur Strafe Stubenarrest. Fortan malt er sich den Worst Case aus, jedes Mal, wenn eine Klassenarbeit, Prüfung oder ein Wettkampf ansteht.

Das Beispiel ist fiktiv, aber nicht unrealistisch. Ich wollte damit nur aufzeigen, wie ein vermeintlich kleines Ereignis manchmal zu Konsequenzen führt, die in der Summe zu einem Emotions- und Verhaltensmuster oder eben einem mentalen Programm führen können.

Manchmal sind es auch einfach limitierende Glaubenssätze, die man als Kind häufig von seinen Eltern gehört hat.

Beispiel Daran, Kampfsportler: „Beim Reflektieren wurde mir bewusst, wie oft ich Sätze wie ,Du kannst das nicht!‘ oder ,Willst du dir das zumuten?‘ gehört habe und wie sie mich tatsächlich negativ beeinflusst haben.“

Bildungssystem

Vom Kindergarten bis zum Abschluss der Ausbildung oder Uni verbringt ein Deutscher zum Teil über 20 Jahre im Bildungssystem. Das ist viel Zeit, in der Wissen vermittelt wird, aber eben nicht nur Wissen. Die meisten kennen den Spruch: Dein Umfeld, also mit wem du dich umgibst, prägt dich. Gerade in den ersten Jahren, im Kindergarten und in der Schule haben Kinder jedoch nur sehr begrenzt Einfluss auf ihr Umfeld. In der Regel wählen die Eltern Kindergarten und Schule aus. Was und wie vermittelt wird, entscheiden andere. Neben dem schulischen Wissen und entsprechenden Fähigkeiten werden zum Teil bewusst und zum Teil unbewusst auch andere Inhalte und Lebensregeln erlernt – durch Lehrer und andere Schüler. Dazu zählen:

Macht: Wer Macht hat (Lehrer – wenige), gibt den Ton an und bestimmt. Wer sie nicht hat (Schüler – viele bzw. die breite Masse), muss sich unterordnen. Das ist nicht per se schlecht für die Teamfähigkeit in einer Mannschaft. Allerdings gibt es einen feinen Unterschied zwischen bedingungsloser, unreflektierter Unterordnung und der Übernahme von Verantwortung im Team.

Gehorsam: Wer gehorcht, wird belohnt. Wer nicht gehorcht, wird bestraft. Bei manchen Sportlern führt das später dazu, die Verantwortung für den Trainingsplan und möglicherweise sogar für den sportlichen Erfolg komplett an den Trainer abzugeben.

Angst: Wenn du keine guten Noten bekommst, dann wird nichts aus dir. Auf den Sport übertragen bedeutet das für manche Athleten: „Wenn ich die Qualifikation nicht sofort schaffe oder ein Sportziel nicht wie geplant erreiche, bin ich ein Versager.“ Das baut Druck auf und bedeutet zusätzlichen Stress vor dem Wettkampf.

Wettbewerb: Im Leben herrscht permanenter Wettbewerb und Konkurrenzkampf – um Noten, einen Platz in der Mannschaft, Ausbildungs- oder Studienplätze, Aussehen, Zugehörigkeit zu einer Gruppe etc. Vielleicht scheiden sich hier die Geister. Ein gesundes Konkurrenzdenken und ein gesunder Konkurrenzkampf-Geist können starke Motivatoren sein. Allerdings wird es problematisch, wenn darunter das Fairplay leidet oder der Sportler verkrampft.

Minderwertigkeit: Durch permanentes Vergleichen ist es leicht, etwas zu finden, dass andere besser können oder wo andere erfolgreicher sind. Hier kommt es darauf an, inwieweit der Sportler sich durch das Vergleichen motivieren kann oder es ihn herunterzieht.

Das trifft natürlich nicht auf alle Bildungseinrichtungen zu und ist auch nicht auf alle Schüler anwendbar. Es können daraus jedoch neuronale Programme und prägende Lebensmuster entstehen.

Medien

Medien (Internet, Social Media, Computerspiele, Fernsehen, Radio, Printmedien etc.) sind allgegenwärtig und werden rund um die Uhr an nahezu jedem beliebigen Ort konsumiert. Die vermeintliche Vielfalt der Medien kann leicht darüber hinwegtäuschen, dass die wesentlichen Inhalte von wenigen globalen Medienkonzernen geliefert werden.

Wer hat nicht schon einmal den Eindruck gehabt, dass in den Nachrichten, egal auf welchem Sender oder in welcher Zeitung, immer wieder die gleichen Themen vorkommen, u. a. Finanzkrisen, Skandale, Krieg, Terror, Katastrophen. In allen Medien lassen sich bestimmte Muster erkennen.

Je mehr ein Mensch von diesen Medien konsumiert, desto mehr können sich diese Muster in seinen eigenen neuronalen Strukturen einbrennen. Da ein Großteil der Informationen unbewusst verarbeitet wird, können eben auch völlig unbewusst neuronale Programme entstehen. Meine Devise lautet hier: Achte darauf, welche Medien und welche Inhalte du konsumierst.

Informationen, die wir aufnehmen, haben eine viel größere Bedeutung, als die meisten Menschen denken, denn sie beeinflussen unseren mentalen Zustand und die Leistungsfähigkeit im Training und Wettkampf.

Als Autofahrer achten wir genau darauf, dass wir den richtigen Treibstoff tanken, denn wir wissen: Wenn wir Benzin anstatt Diesel oder umgekehrt tanken, wird unser Auto nicht richtig funktionieren und stehen bleiben.

Bei der Ernährung achten auch immer mehr Sportler genauer darauf, was sie essen und trinken. Nur bei den Informationen, die wir passiv oder aktiv aufnehmen, sind die meisten Menschen unachtsam. Ich empfehle, das zu ändern.5

Und noch etwas zum Schmunzeln: Es gab einmal eine TV-Werbung, die gleich eine ganze Reihe von Programmen bediente, u. a. übertriebene Macht, Wettbewerb, Minderwertigkeit. In der Werbung wird sehr anschaulich dargestellt, wie sich nach langer Zeit zwei alte Freunde wiedertreffen. Es dauert nicht lange, bis einer der beiden damit beginnt zu berichten, was er bereits alles in seinem Leben erreicht hat, und belegt dies mit schönen Fotos: „Mein Haus (große Villa), mein Auto (Porsche), mein Pferd (Araber).“ Der andere kontert sofort und holt die passenden Fotos zu seinem Besitz heraus: „Mein Haus (Schloss), mein Auto (Ferrari), mein Pferd (eine ganze Herde) und mein Boot (eine Luxusyacht).“ Und die Moral aus der Werbung: Durch permanentes Vergleichen ist es leicht, etwas zu finden, dass andere besser können oder wo andere erfolgreicher sind. Meine Empfehlung: Vergleiche dich nicht mit anderen, schaue stattdessen auf deine persönliche Entwicklung.

Quellen:

  1. Vgl. Jaerschke (2020): WIN – With Intention Now: Kapitel 4.2
  2. Vgl. Taylor/Schneider (2007), S. 57.
  3. Duden (2019): Talent.
  4. Vgl. Birkenbihl (2008).
  5. Vgl. Jaerschke (2016): Mentaler Wächter.